Gedanken für den 13.01.2018

Der Herr und sein Knecht

"Ein Gutsherr aus unserer Gegend hat sich von einem Häusler in einer Nacht im Winter 1908 über das Eis vom See führen lassen. Sie haben gewußt, dass im Eis ein Riß war, aber nicht wo, und der Häusler hat vorausgehen müssen die zwölf Kilometer.
Dem Herrn ist Angst geworden, und er hat dem Knecht einen Gaul versprochen, wenn sie hinüberkommen. Wie sie so in der Mitte gewesen sind, hat er wieder geredet und gesagt: 'Wenn du durchfindest, und ich brech nicht ein, kriegst du ein Kalb.' Dann hat man das Licht von einem Dorf gesehen, und er hat gesagt: 'Gib dir Müh, damit du dir die Uhr verdienst.' Fünfzig Meter vom Ufer hat er noch von einem Sack Kartoffeln gesprochen, und wie sie da waren, hat er ihm eine Mark gegeben und gesagt: 'Lang hast du gebraucht!'"
(Bertold Brecht)

"Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Meschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele!"
(Matthäus 20,26ff)


Aus Axel Kühner: Hoffen wir das Beste,
© Aussaat-Verlag, D-Neukirchen-Vluyn.
ISBN: 3-7615-1618-5
Quelle: www.miriam-stiftung.de