Gedanken für den 15.01.2020

Lebende Brücke,

Drei Männer arbeiten auf einem Hochhaus in Brooklyn. In der Mitte des Wolkenkratzers bricht ein Feuer aus. Mit Windeseile breitet es sich nach oben aus. Als die drei Männer das Feuer bemerken, sind die Fluchtwege schon von Rauch und Feuer versperrt. Verzweifelt kämpfen und schreien sie um ihr Leben. Die Feuerwehren rücken aus. Wassertürme werden aufgebaut, Leitern ausgefahren. Rasch klettert der Hauptmann die Leiter empor und macht eine furchtbare Entdeckung. Die Leiter reicht nicht bis an den Dachrand. Er sieht über sich die verzweifelten Gesichter der Bauarbeiter, unter sich den gähnenden Abgrund. In ihrer Todesangst schreien die Männer auf. Da streckt sich der Hauptmann hoch, wirft sich mit aller Kraft an die Dachkante und umklammert mit seinen Händen die Dachrinne. Seine Füße hängen in der letzten Leitersprosse. Die Männer oben verstehen sofort und rutschen über seinen Körper auf die rettende Leiter hinab. Kaum hat der letzte über die lebende Brücke die Leiter erreicht, verlassen den Hauptmann die Kräfte, und er stürzt in die Tiefe. Von seinen Kameraden wird er tot geborgen. Aber die drei Männer verdanken dem Opfer ihr Leben.

Auch Jesus hat sich als lebende Brücke über den Abgrund gelegt, der sich zwischen Gott und Mensch, Leben und Tod aufgetan hat. Über seine Liebe und Hingabe können wir Menschen aus dem Feuer der Verlorenheit gerettet werden. Jesu Liebe bildet die Brücke, über die auch wir mit unserer ganzen Not und Last, Sorge und Sünde, Angst und Verzweiflung uns retten können. Die Brücke ist da und hält. Sind wir über sie zum Leben gekommen?



Aus Axel Kühner: Überlebensgeschichten für jeden Tag,
14. Auflage, © Aussaat-Verlag, D-Neukirchen-Vluyn.
ISBN: 3-7615-1612-6

Quelle: www.miriam-stiftung.de