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Gedanken für den Tag

Gedanken für den 09.08.2018

Warten und Handeln

Das halbe Leben ist Warten. Wartezimmer beim Arzt, Wartesaal auf dem Bahnhof, Warteräume in den Behörden, Warten an der Kasse, Warten vor der Ampel, Warten auf Besserung und Beförderung. Das halbe Leben ist Warten. Und in der Tat lässt sich vieles nicht erzwingen, man kann es nur erwartend empfangen. Leben, Zeit, Liebe, Versöhnung und Hoffnung kann man nicht machen, kaufen, erzwingen oder fordern, nur bescheiden erbitten, erwarten und empfangen. Rainer Maria Rilke hat diese Erwartung des Lebens so beschrieben: "Und du wartest, erwartest das Eine, das dein Leben unendlich vermehrt; das Mächtige, Ungemeine, das Erwachen der Steine, Tiefen, dir zugekehrt."
Und was ist die andere Hälfte des Lebens? Tun und Handeln, Wirken und Beginnen sind die andere Seite. Sie gehören zusammen, auch im Glauben und Warten auf Gottes Fügungen und Führungen. So spricht es der jüdische Humor aus: Grün, ein frommer Jude, bittet Gott täglich: "Herr, ach Herr, gib mir doch einmal einen Hauptgewinn in der Lotterie!" Wochen und Monate bittet er so und wartet. Schließlich antwortet ihm Gott: "Grün, ach Grün, gib mir eine Chance und kauf dir endlich ein Los!"
So ist es mit dem Leben. Wir warten, weil wir das Glück nicht zwingen und Gottes Erfüllung nicht herbeiführen können. Aber wir warten auch, indem wir handeln und die besten Voraussetzungen für Lebenserfüllung schaffen. So gebrauchen wir das Wort Warten auch im Sinn der Pflege und Bereithaltung. Fahrzeuge und Flugzeuge werden gewartet. Menschen gehen zur Vorsorgeuntersuchung und warten ihren Körper. So ist unser Leben ein doppeltes Warten, ein demütiges Von-Gott-Erwarten und ein aktives und verantwortliches Handeln für Gott. Wir warten auf Gott und eilen ihm auch entgegen.

Es wird aber des Herrn Tag kommen. Wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt!
2.Petrus 3,10ff




Aus Axel Kühner: Hoffen wir das Beste,
© Aussaat-Verlag, D-Neukirchen-Vluyn.
ISBN: 3-7615-1618-5
Warnschild

Der schwankende Grund menschlicher Versprechungen macht Angst. Der feste Halt göttlicher Verheißungen aber macht Mut
Peter Hahne: Worauf man sich verlassen kann - Johannis ISBN 3-501-05935-3