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Gedanken für den Tag

Gedanken für den 08.12.2018

Die vollkommene Freude

Franz von Assisi ging einst im kalten Winter mit seinem vertrautesten Gefährten von Perugia nach der Portiuncula. Sie froren bitterlich und konnten sich kaum noch auf den Beinen halten. Da rief Franz dem vor ihm dahingehenden Bruder Leo zu: "Wenn die Minderbrüder allenthalben ein leuchtendes Beispiel geben und viele Menschen erbauen, so merke es wohl, hierin liegt nicht die vollkommene Freude."
Nach einer Weile fuhr Franz fort: "Auch wenn die Minderbrüder die Blinden sehend machen und die Krüppel gehend, wenn sie Teufel austreiben und Tote auferwecken, so merke wohl, hierin liegt nicht die vollkommene Freude."
Nach einem Stück Weges redete Franz weiter: "Wenn die Minderbrüder alle Sprachen verstehen und alle wissenschaftlichen Schriften, wenn sie die Zukunft vorhersagen und in die Geheimnisse des Herzens einzudringen vermögen, so merke wohl, hierin liegt nicht die vollkommene Freude."
Da wunderte sich der Bruder Leo und bat um die Erläuterung des Wesens der vollkommenen Freude. Und Franz antwortete: "Wenn wir, durchnässt vom Regen und steif vor Kälte in der Portiuncula ankommen, schmutzig und hungrig, und an die Tür klopfen, und ein Bruder schaut missmutig heraus, erkennt uns nicht und hält uns für Landstreicher, macht die Tür wieder zu und lässt uns draußen im Schnee und Regen, und wir ertragen das freundlich und ohne Murren, dann liegt darin die vollkommene Freude. Wenn wir dann noch mal klopfen und der Bruder, erbost über die neuerliche Störung, uns ein paar Ohrfeigen gibt und wir dabei stillhalten, dann liegt darin die vollkommene Freude. Und wenn wir schließlich, weil es schon Nacht geworden ist, unter Tränen ein letztes Mal anklopfen, und der Bruder erscheint, um uns mit einem Stock jämmerlich zu verprügeln, und wir auch dies geduldig hinnehmen, dann merke es wohl, dass nur darin die vollkommene Freude liegt!"

Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes!
Hebräer 12,2




Aus Axel Kühner: Hoffen wir das Beste,
© Aussaat-Verlag, D-Neukirchen-Vluyn.
ISBN: 3-7615-1618-5
Warnschild

Der schwankende Grund menschlicher Versprechungen macht Angst. Der feste Halt göttlicher Verheißungen aber macht Mut
Peter Hahne: Worauf man sich verlassen kann - Johannis ISBN 3-501-05935-3